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                  "Das Leben eines Menschen ist das,
                  was seine Gedanken daraus machen."
                  - Marc Aurel -

  

Über mich

geb.: 1948
verheiratet, zwei Kinder,
Kinderkrankenschwester, jetzt Rentnerin,
Autorin, Hobbyfotografin und Hobbymalerin,
zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften, Zeitungen, Kalendern und im Internet,
Mitglied der "Deutschen Haikugesellschaft e.V.,
vier Jahre zweite Vorsitzende,
seit 2000 Leiterin der Hallenser Haikugruppe,
20 Jahre Mitglied des Schreibkreises von Dr. Christina Seidel
Mitglied des Schreibkreises "Prosaik"

  Anthologien

  

  Erscheinungsjahr:
  2015
  Seitenzahl:
  132
  ISBN:
  9783737586993
  Verlag:
  epubli GmbH

Als das Alter noch die Zukunft war...

Wir erinnern uns an die Zeit unserer Kindheit und Jugend, an die wir trotz mancher Entbehrungen gern zurückdenken. In heiteren, aber auch ernsten Geschichten und Gedichten erzählen wir, was uns damals bewegte und wie wir lebten. Die Leser und Leserinnen unserer Generation werden sich gewiss manchmal mit einem Schmunzeln in die eigene Vergangenheit versetzt fühlen. Zugleich verbinden wir mit den Erinnerungen aber auch Wünsche für die uns nachfolgenden Generationen: Mögen sie die Vergangenheit ihrer Eltern und Großeltern besser kennen und verstehen lernen und sich eine glücklichere Welt ohne Entbehrungen und Not erschaffen. Tauchen wir also gemeinsam ein in eine spannende, aber längst vergangene ... Kinderzeit. Die vorliegende Anthologie wurde von den Mitgliedern unseres Schreibkreises 'PROSAIK' des Familienzentrums 'Schöpfkelle' in Halle/Silberhöhe zusammengestellt. Für dieses Buch haben wir uns ein gemeinsames Thema gewählt.

Leseprobe

Sommerferien

Es war Hochsommer als wir mit Vater in Richtung Mecklenburger Seenplatte fuhren.

Hoffentlich haben die für uns noch ein Bett.

Meine zwei Jahre jüngere Schwester jammerte und glaubte, man würde uns nicht im Ferienlager aufnehmen. Wir hatten die Abfahrt aller Ferienlagerkinder mit dem Bus verpasst. Nun saßen wir im Pkw, fuhren vorbei an duftenden Weizenfeldern und blühenden Wiesen den anderen Kindern hinterher nach Diemitz am Vilzsee. Immer wenn wir an einem See vorbei fuhren, presste ich mein Gesicht an die Autoscheibe. Ich roch förmlich das Wasser, roch die Sonne und die Blumen der Wiesen. Ein Prickeln war auf meiner Haut und mein Herz klopfte heftig. Ich war schon elf, wissender als meine Schwester, und erklärte ihr, welchen Nutzen Kühe, die in den verschiedensten Musterungen auf den Weiden standen, für den Menschen haben. An einem See hielt dann unser Auto. Mein Vater zeigte auf einen nahe gelegenen Gebäudekomplex und meinte: Wir sind am Ziel.

Es gab noch freie Betten und ich durfte sogar in einem Doppelstockbett oben schlafen. Ein heimlicher Wunsch erfüllte sich. Alle Mädchen hatten ihre Betten in einem großen Saal. Das meiner Schwester stand in einer entfernten Ecke des Raumes, weil sie jünger war und einer anderen Gruppe zugeteilt wurde. Der Mädchenschlafsaal war nur durch eine dünne Wand vom Schlafsaal der Jungen getrennt. Die Jungen spielten während der Ferienzeit eine große Rolle. Fast jedes Mädchen flirtete mehr oder weniger schüchtern. Die Jungs neckten beim Baden, versteckten mal ein Handtuch, warfen mit kleinen Steinen auf die Decken der Mädels oder setzten sich einfach ins Gras zu einer Mädchengruppe. Sie ruderten die Boote über den See und erzählten bei den Wanderungen die tollsten Geschichten, die sie angeblich selbst erlebt hatten. Die Mädchen gaben sich nicht mit den gleichaltrigen Jungen ab, nein, diese mussten mindestens zwei, drei Jahre älter sein, um Interesse zu erwecken. Viele Mädchen hatten schon kleine Brüste, manche trugen sogar einen BH. Die waren bei den Jungs am begehrtesten. Bei mir wölbte sich da noch nichts. Ich hatte den Eindruck, das war der Grund, warum sich kein Junge so richtig für mich interessierte. Aber ich fühlte schon etwas in mir, das mich zu den Jungens hinzog, etwas Wunderbares, Neues, etwas, das im Brustkorb wärmte. Besonders zwei Jungen ließen mein Herz schneller schlagen, wenn sich unsere Blicke trafen oder ich sie einfach nur aus der Ferne beobachtete. Pauli, einer der beiden, war der absolute Mädchenschwarm. Mir war klar, ich hatte bei ihm keine Chance. Meine Schüchternheit erlaubte es mir nicht, ihn anzusprechen oder mich einfach beim Frühstück neben ihn zu setzen. So erlebte und bewunderte ich ihn die ganze Zeit über aus der Ferne.

Es waren herrliche Sommertage, voller Erlebnisse und Gerüche, die eine Großstadt nicht bieten konnte, voller Himmel und Träume. Unvergessen bleiben der letzte Ferientag und die letzte Nacht im Doppelstockbett. An diesem Abend gab es keine Erzieher, die für die Nachtruhe und Ordnung in den Schlafsälen sorgten. Sie feierten ihren Abschied vom Sommerlager. Ich hörte plötzlich etwas trapsen, dann kichern, und schon sah ich einen Jungenkopf durch den Schlafsaal schweben. Noch einen und noch einen. Ich auch, hörte ich es flüstern. Ich sah, wie der eine oder andere Junge an das Bett eines Mädchens trat und es küsste. Einen Jungen küssen, das tat ich noch nie. Wieder schlug mein Herz heftiger und auch ich hatte das Verlangen, geküsst zu werden. Ein schmächtiger Junge in meinem Alter trat an mein Bett und versuchte es. Ihn wollte ich nicht, drehte meinen Kopf ruckartig zur Seite. Plötzlich sah ich in die Augen von Pauli. Er küsste mich auf den Mund, einmal, zweimal, dreimal. Dann ging er, um ein anderes Mädchen zu küssen. Es machte mich nicht traurig. Freude und Wohlsein war in mir. In dieser Nacht bekam die Welt für mich einen anderen Wert, einen anderen Sinn. Und Pauli blieb für immer in meiner Erinnerung.

  

  Erscheinungsjahr:
  2005
  Seitenzahl:
  103
  ISBN:
  3-937973-08-7
  Verlag:
  dorise Verlag

  

Licht und Schatten

Mehrere Autoren mit Psychiatrieerfahrung schreiben über ihr Leben. Was denken, fühlen und erleben sie während der Krankheit? Wie hat auch das Schreiben geholfen, die Krankheit zu überwinden?

Doch auch das Leben außerhalb der Krankheit findet in den Prosatexten und Gedichten seinen Platz. Liebe, Freundschaft, Freude, Hoffnung, Familie, der Umgang mit dem Menschen nebenan, Sorgen und Nöte sind z.B. Themen des Buches.

Ein Buch, das zeigt, Menschen mit psychischen Erkrankungen sind Menschen wie du und ich, haben Stärken, Schwächen, Wünsche und Träume.

Illustriert ist das Buch mit Zeichnungen verschiedener Autoren.

Leseprobe

Spuren

Ich öffne die Haustür. Vor mir liegt eine Welt, wie neu erschaffen, von einem Schneegestöber über Nacht in ein weißes Gewand gehüllt.

      Weiße Schneedecke
      heller Sonnenschein glitzert
      über Keim und Saat

Vorsichtig zertrete ich das prächtige und funkelnde Kleid. Kraftvoll muss ich auftreten, um mich vorwärts zu bewegen. Tiefe Abdrücke hinterlasse ich. Weit ist mein Ziel. Als ich zurück schaue weiß ich, dass dieser Weg sich von allen anderen unterscheidet. Für einen Moment bin ich allein auf der Welt und deutlich erkenne ich meine Spuren. Viele werde ich noch hinterlassen, ehe ich mein Ziel erreicht habe, hier im Schnee und in meinem Leben auf geraden und verschlungenen Wegen.

  Buchvorstellung

  

  Erscheinungsjahr:
  2018
  Seitenzahl:
  100
  ISBN:
  978374704494
  Verlag:
  epubli GmbH

Unterwegs mit der Kamera

Noch nicht sehr lange fotografiere ich, kaufte mir das entsprechende Rüstzeug, beschäftigte mich mit der Theorie des Fotografierens, besuchte einen Lehrgang an der Volkshochschule und machte meine eigenen Aufnahmen. Meine Fotos verwende ich für die Gestaltung von Haiga ( nach japanischem Vorbild), gestalte damit Kalender und veröffentlichte sie in Büchern. Geboren wurde ich in Halle. Ich lebte in dieser Stadt die meiste Zeit meines Lebens. Hier bin ich den Menschen begegnet, die für mein Leben wichtig sind. Mit ihnen gestalte ich den Alltag, feiere Feste, führe Lesungen durch, male, diskutiere, ringe um Gerechtigkeit, streite, freue und erhole mich. Ich interessiere mich für die alte Stadt Halle mit ihrer Geschichte und für die neue mit ihren Besonderheiten und Schönheiten. All das sind Dinge, Tätigkeiten, die ich in meine Bilder und Texte einbringe. Ich fühle mich mit den Menschen, der Natur und meiner Stadt verbunden. Als Bürgerreporterin will ich für sie da sein, möchte mit wenigen Worten und Fotos den Menschen das zeigen, was manchmal in der Hektik des Alltages unbemerkt bleibt. Der Inhalt der Texte liegt in der Vergangenheit. Vergangen aber nicht vergessen. Er soll erinnern an die schönen Momente des Lebens.

  

  Erscheinungsjahr:
  2017
  Seitenzahl:
  59
  ISBN:
  978-3-946219-19-4
  Verlag:
  dorise-Verlag

Landluft

Das Buch lässt sie teilhaben an einigen Erlebnissen aus den Jahren 2012 bis 2016 an der Mecklenburger Seenplatte. Dabei beschränke ich mich örtlich auf einen begrenzten Raum, auf ganz persönliche Begebenheiten und Gedanken. Der Kranichhof ist der Ausgangspunkt für all meine Aktivitäten. Ich lade sie u.a. ein zu einem Bummel durch die Stadt Neustrelitz, einen Badetag am Großen Weißen See, einer Dampferfahrt ins Seerosenparadies, führe sie in das Reich von Berberaffen, Hirschen, Wisenten und Bären. Ich lade zu einem Bummel über den Trödelmarkt ein und wenn sie Lust haben, können sie von einer Dal Suppe kosten.

Leseprobe

Inselgeschichte

Ein heißer Tag im August. Die Sonne steht im Zenit. Um mich zu schützen, trage ich Hut. Wir sind mit dem Auto in Mirow, einem Ort von nur 4000 Einwohnern inmitten der Mecklenburger Kleinseenplatte, angekommen. Nur wenige Menschen sind unterwegs. Meist Urlauber. Zu Fuß laufen wir zur Schlossinsel. Zunächst durch das historische Torhaus zum Park. Gepflegte Grünanlagen mit den verschiedensten bunten Blumen erfreuen uns. Es grünt so grün, ein Lied aus dem Musical My fair Lady lässt mich aufhorchen. Ich mag dieses Musical. Auf einer Bühne zwischen dem Barockschloss und dem Kavaliershaus proben Schauspieler für ihren Auftritt am kommenden Wochenende. Im Kavaliershaus, auch Drei- Königinnenpalais genannt, ist es kühl. An der Information kaufe ich Karten für die Ausstellung, die sich in der ersten Etage befindet. Das Leben der drei Königinnen aus dem Herzoghaus Mecklenburg - Strelitz war interessant und nicht immer für jede der Drei glücklich. Zufrieden und von ihrem Volk geliebt jedoch war die Königin Sophie Charlotte, die in Mirow geboren wurde. König Georg III. von Großbritanien verliebte sich erst in die Rhetorik ihrer Briefe, dann in sie als Frau und Mensch. Sie führten am englischen Hof eine unspektakuläre Ehe: es gab keine Affären, keine Skandale. Fünfzehn Kindern schenkte sie das Leben. Ihre beiden Nichten, die Prinzessinnen Louise und Frederike wurden ebenfalls Königinnen. Drei Büsten zeigen das Abbild der Damen; sehr hübsche Frauen, das ist zu erkennen. Mir gefallen die Augen, die Nase und Lippen der Königin Charlotte besonders. Wir verlassen das Haus und gehen weiter über eine kunstvoll verzierte gusseiserne Brücke zur Liebesinsel. Hier ist es angenehm. Alte Bäume mit dichtem Blattwerk spenden Schatten. Der Blick fällt auf den See. Märchenhaft! Wir setzten uns auf eine der zwei steinernen Bänke, sehen nun das Grabmal inmitten der Insel. Eingemeißelt ist der Name von Adolf Friedrich dem VI. Man spekuliert, dass er sich aus unerfüllter Liebe das Leben nahm. Der Großherzog soll sich mit seinem Hund zu einem Abendspaziergang begeben haben. Als er nach Einbruch der Dunkelheit nicht heimkehrte, suchte man nach ihm, fand aber nur seine Mütze und seinen Hund am Kammerkanal. Einen Tag später wurde seine Leiche im Kanal mit einer Schussverletzung gefunden. Die königliche Familie ließ ihn nicht in der Fürstengruft, die sich auf der Schlossinsel in der Johanniterkirche befindet, begraben. Seine Liebe aber ist in dem Monument verewigt. Eine gebrochene Säule, um die sich eine Schlange windet, symbolisiert sein kurzes Leben. Ich greife nach der Hand meines Mannes.

      unterm Blätterdach
      ein Sonnenstrahl berührt
      dein Lächeln

  Buchvorstellung

  

  Erscheinungsjahr:
  2016
  Seitenzahl:
  76
  ISBN:
  978-3-7418-1885-1
  Verlag:
  epubli GmbH

Mondlicht zündet die Stimmung an

Im Buch sind auf 67 Seiten Haiku, Tanka und Haibun zu lesen, die die breite Palette des Lebens zum Inhalt haben. Die Gartenarbeit, der Blick in den Spiegel, Dauerregen, die Silvesterparty, das Lächeln eines Kellners sind zum Beispiel Themen der Haiku. Diese kurzen Texte sind vorwiegend in der Freistilform geschrieben. Mit wenigen Worten wird das Besondere eines Augenblicks, eines Moments benannt, der schon viele Male stattgefunden haben kann jedoch zum Zeitpunkt des Betrachtens besonders wahrgenommen wird. Über ein Klavierkonzert, einen Sommer am See berichten unter anderem die Tankas und über Zeitzeugen oder Wunden die Haibun. Ein Haibun ist ein kurzer Prosatext, der hier mit einem Haiku verbunden ist. Es sind alles Dichtformen, die ihren Ursprung in Japan haben. 10 bunte Haiga illustrieren das Buch. Sie sind entstanden aus einem Haiku, einem Foto oder einer Bleistiftzeichnung.

Leseprobe

Zeitzeugen

Wir sind auf dem Weg zu den "Weißen Häusern", erbaut von der braunen Macht im Rausch der Unbesiegbarkeit. Der Weg führt durch den Wald inmitten von Mecklenburg. Es duftet nach frischem Holz. Schilder am Wegesrand warnen: Munitionsbelastetes Gebiet - Betreten verboten. Nach einigen Kilometern türmen sich vier graue Betonklötze von unterschiedlicher Höhe vor uns auf. An ihnen erprobte die Wehrmacht die Qualität der Baustoffe unter dem Abwurf verschiedener Bombenarten und suchte nach geeigneten baulichen Gegenmaßnahmen. Die Natur und die Zeit haben den Bauten das Grauen genommen. Hoch oben wachsen auf den Dächern Bäume in den Himmel.

      Motorengeräusch
      ein Waldarbeiter zersägt
      die Vergangenheit

  Buchvorstellung

  

  Erscheinungsjahr:
  2011
  Seitenzahl:
  24
  ISBN:
  978-3-7418-1885-1
  Verlag:
  dorise Verlag

Fotohaiku Haiku

Auf 24 Seiten können Haiku gelesen und Fotohaiku betrachtet werden. "Die Haiku sind in einer auf das Notwendigste beschränkten Sprache, ein vom Gefühlserleben her geprägten eigenem Stil - dennoch präzise und immer konkret - kurzum, ein Lese- und Betrachtungsvergnügen direkt zum Mitnehmen in der Tasche." Zitat von Klaus - Dieter Wirth

Leseprobe

      flussabwärts
      in unser Schweigen
      schlagen die Ruder

      weitab vom Lärm.
      so rot die Blume
      in meinem Garten

  Buchvorstellung

  

  Erscheinungsjahr:
  2015
  Seitenzahl:
  108
  ISBN:
  978-3-942401-90-6
  Verlag:
  doriseVerlag

Ich könnte doch glücklich sein

Vor vielen Jahren erkrankte ich an einer Wochenbettpsychose. Bis ich wieder das Leben mit Freude genießen und mit Familie und Freunden Glück erleben konnte, verging viel Zeit. Mich interessierte, wie es anderen Frauen erging, die vor oder nach der Geburt eines Kindes psychisch erkrankten. Was erlebten, dachten, fühlten sie? Nicht aus der Sicht eines Helfenden, des Psychiaters, des Psychotherapeuten oder des Psychologen, sondern aus der Sicht der betroffenen Mütter wollte ich diese Fragen beantwortet haben. Von tausend Frauen, die ein Baby zur Welt bringen, bekommt durchschnittlich eine Frau eine Wochenbettpsychose, weitaus mehr erleiden eine Wochenbettdepression. Ich begegnete ihnen an den verschiedensten Orten: in Patientenclubs, Seminaren, Projekten, Begegnungsstätten oder ganz privat. Doch nicht alle Frauen waren bereit, über das Erlebte zu sprechen, und manchmal waren auch die Partner dagegen. Für viele Menschen sind psychische Erkrankungen noch immer ein Tabuthema.

Leseprobe

Nancy

25 Jahre jung, Studentin, Mutter einer wunderschönen Prinzessin, wie sie ihre einjährige Tochter bezeichnet. Die Geburt fand im Wasser statt.

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos. Die ganze Zeit über ging es mir gut. Ich habe mich riesig auf die Kleine gefreut, wusste, es wird ein Mädchen. Zuhause bereitete ich alles vor. Putzte und schmückte das Zimmer, suchte einen schönen Namen aus. Die Entbindung fand im Geburtshaus meiner Hebamme statt. Alles verlief komplikationslos. In einer großen, runden Badewanne mit warmen Wasser habe ich aus eigener Kraft meinem Baby das Leben geschenkt, ohne Schmerzmittel, ohne Wehentropf. Die Hebamme hockte auf dem Wannenrand, und ich vertraute ihr. Mein Mann, der neben der Wanne saß, hat mir zwischen den Wehen Getränke gereicht und die Stirn gekühlt. Als die Kleine meinen Körper verließ, schwamm sie für einen kurzen Moment im Wasser. Mit ihrem Unterarm hob die Hebamme mein Baby aus dem Nass und legte es mir in die Arme. Es war ein wundervoller Moment, als ich die Kleine hochnahm, sie das erste Mal außerhalb meines Körpers spürte. Auch die ersten Tage nach der Geburt waren schön. Ich hatte viel Kraft und kümmerte mich gern um die Kleine. Aber schon da begann meine Schlaflosigkeit. Plötzlich ekelte ich mich vor scharfen Gerüchen. Fünf Tage nach der Geburt, meine Großeltern waren gerade zu Besuch, erlebte ich einen Zustand von Euphorie, ein Hochgefühl. Ich fühlte mich überdreht, als hätte ich Drogen konsumiert. Meine Hände zitterten, meine Füße waren eiskalt. Nun konnte ich gar nicht mehr schlafen. Ich fühlte mich überglücklich, war innerlich unruhig, aufgeregt und wusste nicht, wie ich meine Gefühle regulieren sollte. Dann hatte ich Streit mit meinem Partner. Er konnte nicht verstehen, was da mit mir los war. Ich verstand es ja selbst nicht. Wir stritten und redeten die ganze Nacht lang. Wieder bekam ich keinen Schlaf. Ich ärgerte mich, weil er ein paar sehr verletzende Dinge zu mir sagte. Am Morgen hatte ich einen Nervenzusammenbruch. Ich schrie und schrie. Meine Hebamme schickte mich daraufhin zur Mutter-Kind-Tagesklinik. Ich schilderte der Psychologin meine Wahrnehmungen, sie vermutete hinter dem ganzen eine Wochenbettdepression. Ich misstraute dieser Diagnose. Mir ging es doch gut. Ich liebte mein Kind, hatte nur keinen Schlaf. Auf dem Weg dorthin kam mir die Welt seltsam vor. Ich nahm alles anders wahr. Ich roch Gerüche und fühlte Dinge, die für die anderen gar nicht da waren. In der Klinik kam es mir so vor, als würden mich alle anstarren, wie einen Zombie. Meine Kleine schrie. Ihre Schreie hörte ich sehr laut, schallend und gellend. Ich begann zu weinen, wollte nur nach Hause mein brüllendes Baby stillen und endlich schlafen. Drei Tage später am frühen Morgen brachte mir meine Mutter mein Baby zum Stillen. Ich sah es tot vor mir liegen. Dass dies eine Halluzination war, es ganz normal schlief, erkannte ich nicht. Ich dachte, ich hätte meine Kleine umgebracht. Nicht aktiv, sondern passiv. Wir, meine Familie und ich hätten sie durch den ganzen Stress so schlecht behandelt, dass sie selbst entschieden hätte, wieder zu gehen. Ich fing wie wahnsinnig an zu schreien. Mit Hände auflegen und Stillen habe ich versucht, sie zurück ins Leben zu holen. Ich dachte, das sei eine Prüfung durch Gott. Ich musste jetzt zeigen, dass ich für das Leben meines Kindes kämpfen konnte. Es sah so tot aus, so bleich, mit schwarzen Fingernägeln. Dann bildete ich mir ein, dass es verhungert wäre, weil aus meinen Brüsten nur Wasser käme. Ich hatte ja die ganzen letzten Tage auf Grund des Ekels kaum etwas gegessen. Ich schrie nach Milch und Honig, weil ich glaubte, das bilde die Milch neu. Dann wollte ich mit ihr in die Badewanne, wie bei der Geburt. Ich dachte so warmes Wasser wirkt vielleicht belebend. Ich legte die Kleine in die Arme meiner Mutter, rannte ins Bad, um Wasser einzulassen. Meine Mutter gab sie nicht wieder her. Wahrscheinlich dachte sie, ich wolle die Kleine jetzt in der Badewanne ertränken. Mein Vater hatte schon den Notarzt gerufen und plötzlich standen Rettungssanitäter vor mir.....

  Buchvorstellung

  

  Erscheinungsjahr:
  2016
  Seitenzahl:
  84
  ISBN:
  978-3-7375-8947-5
  Verlag:
  epubli GmbH

Quelle der Kraft - Unterwegs- zu Hause und in der Fremde

Das Buch führt unter anderem nach Mallorca,Teneriffa, Dänemark, die Insel Kos, nach Zypern aber auch in Städtchen und Orte innerhalb von Deutschland. Mit der Leichtigkeit, der Sorglosigkeit, die einen Erholungsurlaub ausmachen, werden persönliche Erlebnisse beschrieben. Eine Fahrradtour an einen kleinen See, die Rast auf der Sommerwiese mit dem Blick in die Weite des Himmels gehören genauso zu den glücklichen Momenten wie die Wanderung durch den Winterwald oder die Fahrt mit einem Boot durch Amsterdam. Die Texte sind in der Form eines Haibun geschrieben, einem japanischen Schreibvorbild. Zwischen den einzelnen Texten stehen Haiku, die die ganze Palette des menschlichen Lebens zum Inhalt haben - den blühende Hibiskus, das Lesen am Bahnsteig, das Kartenspiel bei Dauerregen oder die Vorfreude beim Plätzchenbacken. Zwanzig bunte Fotos geben Einblick in die jeweilige Situation der Geschichten.

Leseprobe

Geisterstadt

Von einem einfachen Holzturm aus sehe ich auf leere Straßen, Wege und Plätze, in tiefe Verlassenheit. Ohne Leben sind die Hotelketten entlang der Strände, dem Schicksal überlassen die weißen Häuser, die in den Horizont ragen und es ist, als ob letzte Schreie und Seufzer der Menschen noch immer zum Himmel schweben.

      Möwen kreischen-
      in den Winkeln der Gassen
      Grabesstille

Die Menschen haben ihre Stadt Varosha, südlicher Teil Famagustas, verlassen. Nur ihre Seelen tanzen mit dem Wind. Einst blühte die Hafenstadt, lebte der Wohlstand, handelten hier reiche Kaufleute. Glückliche Menschen tummelten sich an breiten Stränden, Touristen kamen, um sich zu erholen. Einst. Durch das Fernglas beobachte ich, wie eine Zeitungsseite über eine schmale Straße schwebt. Soldaten werden sie zerknüllen und in den Müllsack werfen. Ein einziges Mal im Jahr lebt der Ort auf Zypern. Dann kommen die Uniformierten und reinigen die Geisterstadt.

      Modergeruch-
      eine rosa Schleife
      im Abfallkübel

  

  Erscheinungsjahr:
  2017
  Seitenzahl:
  52
  ISBN:
  9783745000627
  Verlag:
  epubli GmbH Berlin

Wieder am Meer

In den Prosatexten, den Sequenzen, Haiku und Gedichten wird der Liebe zum Meer, der Ostsee, und der Landschaft rundherum ein sprachlicher Raum gegeben. Texte über den Bodden, den Hochsommer am Meer, die Verführung in einer Boutique, eine Bootsfahrt zur Beobachtung der Kraniche sind einige Themen der Texte. Ergänzt wird das Büchlein durch eigene Malerei, Pastelle, Aquarelle und Bleistiftzeichnungen.

Leseprobe

Verführung

Tief atme ich die Luft ein. Das Meer duftet. Regenwolken haben sich über Ahrenshoop gelegt. Wolken, die dennoch den Tag nicht vermiesen. Die Boutique, vor der ich stehe, lässt mein Herz schneller schlagen. "Bunte Stube" lese ich über der Eingangstür. Ich drücke die Türklinke nieder und betrete den Laden. Die vielen Menschen stören mich nicht. Ich versinke in die Welt der Dichter, Maler, Fotografen und greife in das Bücherregal. Hauptmanns Gedichte illustriert durch Landschaftsmalerei fesseln mich für Minuten. "Lasst uns etwas Stilles lieben" - wie passend der Titel. Ich lege das Buch aus der Hand, und nehme das Heimat- Lesebuch "Der Reiz von Meer, Wald und Bodden". Ich lese hinein in die Geschichte von einer tragischen Schiffskatastrophe vor Zingst, erfahre etwas über das Wustrower Königsschießen, einen wertvollen Schatz am Papensee, Theodor Schulze - Jasmer, einen Maler des Darßes.

      Gefangen -
      das Netz der Wörter
      hat einen Duft


An den Büchern von Hesse und Rilke kann ich nicht vorbeigehen. In einem Lyrikband von Rilke lese ich:

      "Blühe, blühe Blütenbaum
      tief im trauten Garten.
      Blühe, blühe Blütenbaum,
      meiner Sehnsucht schönsten Traum
      will ich hier erwarten."


Seine Gedanken drücken meine Empfindungen aus. Daneben Fotos vom Ostseestrand, von Zeesbooten, Bücher mit Malerei, aber auch Romane. Die ganze Vielfalt der Literatur wirkt inspirierend auf mich. Ich sehe mich mit der Kamera auf Motivsuche, mit meiner Pastellkreide am Tisch im Ferienhaus.

Meine Büchertüte ist schwer, als ich den Laden verlasse. Ich freue mich auf das Vergnügen, allein zu sein mit meiner Fantasie und den Autoren, auf meinen Liegestuhl. Nur den Wind vom Bodden werde ich spüren.


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